Interview zum Thema Standards und deren Bedeutung aus Sicht des IW

Barbara Engels, Dr. Knut Bergmann, Peter Schützdeller und Thorsten Kroke berichten, warum gerade Standards - ein Thema, das "nicht gerade sexy" ist - für das IW große Bedeutung haben.

Frage: Warum hat das IW das Thema gesondert beworben?

Peter Schützdeller:
In der Consult entschlüsseln wir die DNA von Erfolg und damit wiederum unterstützen wir Unternehmen und Institutionen auf ihrem Weg an die Spitze. Die Standardisierung ist dabei sicher einer der entscheidendsten Bausteine für Produktivität von Unternehmen aber auch von Prozessen generell.

Dr. Knut Bergmann:
Zwei Gründe: Erstens, weil das Thema wichtig ist. Für die deutsche Wirtschaft, für die Wissenschaft und damit für uns als Institut. Zweitens: Weil wir versuchen haben, ein komplexes, nicht einfach zugängliches und darstellbares Thema anfassbarer zu machen.

Thorsten Kroke:
Das Institut der deutschen Wirtschaft untersucht hauptsächlich volkswirtschaftliche Fragestellungen. Im Zuge der digitalen Transformation gewinnen Stammdatenstandards wie eCl@ss zusätzlich an Bedeutung. Hier spielt das Institut mit der Verknüpfung von Skills und Know How seine ganzen Stärken aus. Als Frau Engels das Thema wissenschaftlich beleuchtet hat, war die Nachfrage enorm. Es herrscht nicht nur ein großer Standardisierungsbedarf von den sog. 'strategic use of information', sondern ebenfalls zuerst ein Informationsbedarf. Warum sind Standards wichtig? Daher hat sich das IW entschlossen, dies gesondert zu kommunizieren.

Barbara Engels:
Als Institut der deutschen Wirtschaft beschäftigen wir uns oft mit Problemlagen, die insbesondere für Unternehmen relevant sind. Das sind allerdings auch oft Themen, die nicht besonders eingängig oder allgemeinverständlich sind. Mit der Seite zu den Standards wollen wir auf ein Thema aufmerksam machen, das vielleicht nicht gerade sexy ist – aber sehr relevant für eine erfolgreiche digitale Transformation und damit für eine erfolgreiche deutsche Wirtschaft.

 

Frage: Wie ist die Resonanz auf die Landingpage ?

Dr. Knut Bergmann:
Gut. Die absoluten Klickzahlen spielen keine Rolle, um die Resonanz zu beurteilen, sondern vielmehr die Anfragen, die wir darauf bekommen haben. Und sogar etwas Lob, wie es geglückt ist, Aufmerksamkeit für das Thema Standards zu wecken.

Thorsten Kroke:
Die Resonanz auf die Landingpage ist bei den eCl@ss Nutzern und Kunden sehr groß, weil sie ihren Geschäftspartner, Lieferanten und Kunden nicht nur eCl@ss aus der Praxis zeigen, sondern das ganze ebenfalls wissenschaftlich beleuchtet neutral darstellen können. Die Landingpage ist sozusagen genau die richtige Informationsdosis.

Barbara Engels:
Wir stellen fest, dass viele Menschen die Seite besuchen und wertschätzen, weil sie das Thema Standardisierung noch nie so bunt und vielfältig aufbereitet gesehen haben. Selbst Menschen, die sich noch nie damit beschäftigt haben, finden auf der Seite eine Einführung in das Thema. Wer weiterführende Informationen haben möchte, kann sich auf der Seite auch die komplette Studie zur Rolle der Standards für die digitale Transformation von Unternehmen herunterladen.

 

Frage: Warum sind Standards momentan bei vielen Unternehmen noch unterschätzt?

Thorsten Kroke:
Bei den Entscheidern und Geschäftsführern gerade bei KMUs gehören manuelle Fehlerbearbeitungen bei Stammdaten, die nicht standardisiert sind, einfach zum täglichen Geschäft. Da fällt es schwierig zu erklären, dass dies mit standardisierten Stammdaten nicht mehr notwendig ist. Weiterhin wird der Transfer als Voraussetzung für Industrie 4.0 nicht gesehen, hier gilt es, weiter Aufklärungsarbeit zu leisten.

Barbara Engels:
Die Studienergebnisse zeigen, dass sich viele Unternehmen bewusst sind, dass Standards unerlässlich für ihre digitale Transformation sind. Sie sind dennoch immer noch oft gehemmt, wenn es um die Einführung von Standards geht. Viele Unternehmen wissen nicht, welche Kosten und welcher Nutzen konkret mit Standards verbunden sind – sie können gewissenmaßen kein Preisschild anheften. Andere führen keine Standards ein, weil ihre Kunden und Lieferanten keine benutzen und somit die Vorteile von Standards – darunter die einfache Kommunikation mit Externen – teilweise flöten gehen. Diese Erkenntnis ist gleichermaßen aus wissenschaftlicher, wirtschafts- und gesellschaftspolitischer Sicht alarmierend, denn Standards könnten zu mehr Wohlstand beitragen, wenn sie denn nur flächendeckend genutzt würden.

Peter Schützdeller:
Standards selber sind in vielen Unternehmen durchaus ein erprobtes Mittel zur Prozessoptimierung. Dies sieht man unter anderem an der hohen Anzahl von Produktionssystemen, die unter Lean Management Prinzipien entstanden sind. Es ist nun an der Zeit, die Logik dieses Gedankens von Prozess- auf Daten-Schnittstellen auszuweiten um effektiver zu arbeiten und Verschwendung zu verringern. Viele Unternehmen wissen hier durchaus um die Wichtigkeit von Stammdaten-Standards Sie scheuen jedoch noch den Aufwand, der hinter einer solchen Aktivität steckt, da sie die Potenziale darin noch nicht sehen/greifen bzw. rechnen können. 

 

Frage: Warum sind Standards ein wichtiges Studienthema in der Digitalisierung?

Barbara Engels:
In der Digitalisierung geht es vor allem um Vernetzung: Menschen, Maschinen, Produkte und Prozesse kommunizieren alle miteinander und tauschen Daten aus. Das umspannt inzwischen alle Lebensbereiche: Ob Fernseher, Auto oder Kühlschrank – alles wird smart, alles wird digital. Um miteinander zu kommunizieren, braucht man allerdings eine gemeinsame Sprache – also Standards. Leider setzen viele Unternehmen noch keine oder zu wenige Standards ein, deshalb kommt es oft zu Informationsverlusten und Ineffizienzen an den Schnittstellen verschiedener Unternehmenssysteme. Es ist wichtig, den Nutzen von Standards zu verstehen, damit wir die Potenziale der Digitalisierung voll ausschöpfen können. Deshalb sind Standards ein wichtiges Studienthema im Rahmen der Digitalisierung.

Thorsten Kroke:
Die Punkte "strategic use of information" und Standards sind eher unterstützend in der Supply Chain zu sehen, aber immerhin notwendig in der digitalen Transformation. Leider sind die Vorteile dessen noch nicht überall klar fassbar für die pragmatischen Manager aus der Industrie. Das Thema Datenqualität gewinnt erst Stück-für-Stück an Bedeutung. Ein Grund mehr, hier zu informieren aus neutralen und wissenschaftlicher Perspektive.

Peter Schützdeller:
Die Botschaft ist wichtig, dass standardisierte Stammdaten eine Investition in die zukünftigen digitalen Fähigkeiten eines Unternehmens und damit in dessen Wettbewerbsfähigkeit sind. Dies gilt vor allem in Unternehmen mit mehreren Systemschnittstellen oder gar in Unternehmensgruppen mit hoher Systemvielfalt – in den inneren Prozessen sowie zu den Kunden und Lieferanten. Als Unternehmer schaffe ich damit frühzeitig die Voraussetzungen, um in zukünftigen Plattformen und in Netzwerken eine Führungsposition einnehmen zu können. Studien sind ein wichtiges Mittel, zukünftige Entwicklungen und Potenziale für Unternehmen aufzuzeigen und dafür zu werben, sich zeitig für die Zukunft aufzustellen.

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